Wo das Wasser fehlt, über die Breitenbachquelle zur Stöffelburg

Manche Touren bleiben nicht wegen ihrer Länge oder ihrer Schwierigkeit im Gedächtnis.
Sondern wegen der kleinen Dinge am Wegesrand.
Heute führte mich meine Runde über die Breitenbachquelle hinauf auf den Stöffelberg und weiter zur Ruine der Stöffelburg. Eigentlich eine vertraute Landschaft aus Wald, Felsen, Quellen und den weiten Ausblicken über das Albvorland.
Doch dieses Mal fiel vor allem eines auf: Es fehlte Wasser.
Die Breitenbachquelle – ungewöhnlich still
Die Breitenbachquelle kenne ich normalerweise mit deutlich mehr Leben.
Wasser tritt zwischen den Felsen hervor, sammelt sich zwischen Steinen und Moos und macht diesen kleinen Ort mitten im Wald zu genau dem, was man sich unter einer Quelle vorstellt.
Heute sah das anders aus.

Die Schüttung der Hauptquelle war so gering, wie ich es sonst eher von den weiter oben liegenden, kleineren Quellaustritten kenne.
Ein dünner Wasserstrom fand noch seinen Weg zwischen den Steinen hindurch.
Mehr war kaum übrig.
Noch deutlicher wurde es wenige Meter weiter oben.
Die oberen Quellen, an denen normalerweise ebenfalls Wasser austritt, waren praktisch versiegt. Zwischen Moos, Laub und Felsen war noch zu erkennen, wo das Wasser normalerweise seinen Weg nimmt – doch Wasser selbst war dort kaum noch vorhanden.
Gerade wenn man einen solchen Ort aus anderen Jahren kennt, wirkt dieser Unterschied erstaunlich deutlich.
Der trockene Sommer hinterlässt Spuren
Auf dem weiteren Weg hinauf zum Stöffelberg setzte sich dieses Bild fort.
Der Wald wirkte auf den ersten Blick noch grün und kräftig. Das Sonnenlicht fiel durch die hohen Bäume, Moose bedeckten den Waldboden und hier und da zeigten sich die ersten Vorboten des kommenden Herbstes.
Doch beim genaueren Hinsehen waren die Spuren des Sommers nicht zu übersehen.
Besonders oben auf dem Plateau standen auffallend viele abgestorbene oder deutlich geschädigte Bäume.

Auch dort schien Wasser in diesem Jahr etwas zu sein, das dem Wald zunehmend fehlt.
Nach den vielen heißen und trockenen Wochen dieses Sommers wird hier sichtbar, was Wetterstatistiken nur abstrakt beschreiben können: Wenn Quellen kaum noch schütten und selbst auf dem bewaldeten Höhenzug zahlreiche Bäume unter Trockenstress stehen, bekommt die Trockenheit plötzlich ein Gesicht.
Hinauf zur Stöffelburg
Weiter ging es über den Stöffelberg zur ehemaligen Stöffelburg.
Heute erinnert im Gelände nur noch wenig an die Anlage, die hier vor Jahrhunderten stand.
Eine Informationstafel erzählt jedoch von ihrer Geschichte und davon, welche Bedeutung der Stöffelberg und das darunter liegende Gönningen einst hatten.

Die Herren von Stöffeln gehörten im Mittelalter zum regionalen Adel. Von hier oben kontrollierten sie das umliegende Gebiet, bevor die Burg im späten 14. Jahrhundert zerstört wurde.
Was geblieben ist, ist vor allem der Ort selbst.
Und der lässt zumindest erahnen, warum man genau hier eine Burg errichtete.
Aussicht über das Albvorland
Vom Stöffelberg öffnet sich der Blick weit über Gönningen und das Albvorland.
Felder, Streuobstwiesen, Waldflächen und Ortschaften liegen wie ein großes Mosaik unterhalb des Höhenzuges.
An diesem Tag zogen mächtige Wolken über die Landschaft, während zwischen ihnen immer wieder die Sonne durchbrach.
Ein schöner Kontrast zu dem trockenen Wald, durch den der Weg zuvor geführt hatte.
Von hier oben wirkt die Landschaft ruhig, weit und beinahe unberührt.
Und trotzdem weiß man nach dem Weg entlang der Quellen, dass auch hier dieser Sommer deutliche Spuren hinterlassen hat.
Kleine Entdeckungen am Weg
Gerade solche Runden leben für mich aber nicht nur vom eigentlichen Ziel.
Da sind das Wasser, das sich noch seinen Weg zwischen den Felsen sucht.
Das Moos an der Quelle.
Ein großer Baumpilz am Stamm.

Insekten, die aus kleinen Öffnungen im Totholz hervorkommen.

Die ersten braunen Bucheckern zwischen noch grünen Blättern.

Und das Sonnenlicht, das tief zwischen den Stämmen des Waldes hindurchfällt.
Alles Dinge, an denen man schnell vorbeigehen könnte.
Dabei erzählen gerade sie oft mehr über einen Wald als irgendein Aussichtspunkt.
Zwischen Sommer und Herbst
Ende August beginnt sich die Landschaft langsam zu verändern.
Noch ist vieles grün, gleichzeitig tauchen bereits die ersten herbstlichen Farben auf.
Dieses Jahr fühlt sich dieser Übergang allerdings anders an.
Nicht nur nach dem langsamen Ende des Sommers, sondern an vielen Stellen nach einem Wald, der dringend Regen gebrauchen könnte.
Die Breitenbachquelle hat es heute besonders eindrucksvoll gezeigt.
Wo normalerweise Wasser aus dem Berg kommt, blieb stellenweise nur feuchter Stein zurück.
Und vielleicht war genau das die prägendste Erinnerung dieser kleinen Tour.
Nicht die Ruine.
Nicht der Aussichtspunkt.
Sondern ein ungewöhnlich leiser Bach.



