Training unter Ausnahmezustand – KW 28 bis 30

Die letzten drei Wochen waren keine normalen Trainingswochen.

Auf dem Papier stehen ein paar Rudereinheiten, eine ruhige Waldwanderung und insgesamt eher wenig sportliche Belastung. Trotzdem fühlten sich diese drei Wochen körperlich und mental schwerer an als viele deutlich härtere Trainingsphasen.

Das ist für mich der eigentliche Punkt dieses Rückblicks: Nicht jede Belastung entsteht durch Training. Manchmal ist der Körper unter Druck, obwohl die sportlichen Daten moderat bleiben. Manchmal ist eine ruhige Einheit auf der Ruderbank oder eine Runde im Wald kein Training im klassischen Sinn, sondern ein Versuch, das System irgendwie reguliert zu halten.

In diesen Wochen wurde ich außerdem ein halbes Jahrhundert alt. Ein Datum, das zum Nachdenken einlädt. In diesem Jahr stand es aber nicht für Feierlichkeit oder Rückblick, sondern mitten in einer Phase, die tief einschneidend war.

Nur sechs Rudereinheiten und eine Waldwanderung

In drei Wochen kamen nur sechs Rudereinheiten und eine Waldwanderung zusammen.

Das klingt nicht nach Stillstand, aber auch nicht nach einem harten Trainingsblock. Genau darum geht es: Die eigentliche Belastung dieser Phase lag nicht im Sport.

Sie lag außen.

In Entscheidungen, Terminen, Unsicherheit, Schlafabbrüchen, innerer Anspannung, familiärer Sorge und einer Gesamtlage, die deutlich schwerer wog als jede Einheit auf der Ruderbank.

KW 28 – noch Training, aber schon unter Spannung

Die erste dieser drei Wochen war noch eine Trainings- und Regulationswoche. Es gab drei Einheiten auf der Ruderbank.

Die Werte lagen im bekannten Bereich: jeweils rund 45 Minuten, etwa 10 Kilometer pro Einheit, überwiegend kontrolliert und ohne überzogene Intensität.

Sportlich war das moderat. Drei Einheiten, rund 30 Kilometer. Kein übertriebener Umfang, keine harte Trainingswoche.

Und trotzdem war spürbar: Der innere Druck war längst da.

KW 29 – kontrolliert durch eine Hochstresswoche

Die zweite Woche war noch vorsichtiger gesteuert.

Auch hier gab es drei Rudereinheiten, aber keine davon war als Leistungstest oder harter Reiz geplant. Es ging eher darum, Bewegung zu halten, Spannung abzubauen und nicht zusätzlich Druck auf das System zu bringen.

Am Samstag kam dann noch eine Waldwanderung dazu: rund 10 Kilometer, viel Wald, wenig Leistungsanspruch, sehr niedrige physiologische Last. Genau diese Art Bewegung war in dieser Phase wahrscheinlich sinnvoller als jede zusätzliche harte Einheit.

Wald funktioniert anders als Training.

Man muss nichts beweisen. Man geht. Man atmet. Man schaut. Man bleibt in Bewegung, ohne sich weiter hochzuschieben.

Diese Woche zeigte sehr klar: Das Training war nicht das Problem. Die stärkste Belastung kam aus dem Leben außerhalb des Sports.

KW 30 – keine Trainingswoche

Die dritte Woche war praktisch keine Trainingswoche mehr.

Und das war richtig so.

Es gibt Phasen, in denen eine Pause keine Schwäche ist, sondern Vernunft. Wenn Schlaf, Stress, innere Anspannung und äußere Ereignisse ohnehin schon zu viel sind, muss man nicht noch zusätzliche Trainingsreize setzen, nur um eine Statistik zu füllen.

Das war keine verlorene Woche.

Es war eine notwendige Entlastungswoche.

Manchmal bedeutet Training auch, nicht zu trainieren. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil der Körper längst genug verarbeitet.

Was diese Wochen zeigen

Über die drei Wochen ergibt sich ein klares Bild.

Der sportliche Umfang war moderat bis niedrig. Die meisten Einheiten lagen im Bereich Basis, Formerhalt oder Regulation. Einzelne Pulsausschläge waren weniger Ausdruck schlechter Form als Hinweis auf innere Aktivierung.

Gerade das ist für mich wichtig: Die schweren Einbrüche in Schlaf, Erholung und Belastungsgefühl lassen sich nicht durch diese Trainingsmenge erklären.

Die Daten sprechen eher dafür, dass Training in diesen Wochen meistens ein Versuch war, stabil zu bleiben. Nicht immer perfekt, nicht immer leicht, aber überwiegend sinnvoll dosiert.

Ein halbes Jahrhundert

In diese Phase fiel auch mein 50. Geburtstag.

Ein halbes Jahrhundert.

Normalerweise wäre das vielleicht ein Moment für Rückblick, Bilanz, Dankbarkeit oder zumindest irgendeine Form von Innehalten. In diesem Jahr war es anders. Der Geburtstag stand mitten in einer Zeit, die sich nicht nach Feier angefühlt hat.

Vielleicht passt das sogar zu diesem Trainingsrückblick.

50 werden heißt nicht automatisch, irgendwo angekommen zu sein. Manchmal steht man auch mit 50 mitten in einer Erschütterung und muss trotzdem schauen, wie man weitergeht.

Nicht heldenhaft. Nicht souverän.

Sondern Schritt für Schritt.

Fazit

Die letzten drei Wochen waren keine starken Trainingswochen im klassischen Sinn.

Aber sie waren auf ihre Art wichtig.

Nicht wegen Rekorden, nicht wegen Bestzeiten, nicht wegen Umfang. Sondern weil sie zeigen, dass Bewegung manchmal eine andere Aufgabe hat. Sie muss nicht immer schneller, weiter oder härter machen. Manchmal soll sie nur verhindern, dass alles stehen bleibt.

Für mich bleibt aus diesem Block vor allem eine Erkenntnis:

Der Körper merkt, was passiert.

Auch dann, wenn es nicht im Trainingsplan steht.